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The Game

Bedrohlich sieht es aus, das neue Kartenspiel aus dem Nürnberger-Spielkarten-Verlag, das mit dem unbescheidenen Titel The Game auffällt. Aus hohlen Augen starrt den Betrachter ein roter Totenkopf auf schwarzem Hintergrund an. Bedrohlich klingt auch der Untertitel „Spiel … so lange du kannst!“. Welcher Horror mag uns da wohl erwarten?

Auf den Karten finden wir dann aber bloss Zahlen. Von 2-99, jede genau einmal. Aha, so schrecklich kann’s wohl doch nicht sein, denken wir, und machen uns daran, die übersichtlichen Regeln zu studieren. Ziel des Spiels ist es offenbar, möglichst viele Karten auszuspielen. Dabei spielen wir alle gemeinsam gegen das Spiel. Das kommt uns doch alles irgendwie bekannt vor.

Alle Spieler erhalten 6 Karten auf die Hand. Wer an der Reihe ist muss mindestens zwei Karten aus seiner Hand ausspielen. Dafür stehen vier Stapel zur Verfügung. Zwei davon gehen rauf von 1 bis 99, zwei gehen runter von 100 bis 2. Zahlen dürfen nach Belieben übersprungen werden, die Richtung muss aber stets eingehalten werden. Mit einer Ausnahme: eine Differenz von genau 10 darf auch in die entgegengesetzte Richtung auf einen Stapel gespielt werden. Nach einem Zug wird auf sechs nachgezogen und so wird weitergespielt, möglichst bis alle Karten ausgelegt sind.

Na, dann mal los, kompliziert ist’s jedenfalls nicht. Aber schon im ersten Zug wird klar, worin die Tücken dieses Spiels bestehen. Die 98 passt ja noch ganz gut auf einen der „runter“-Stapel. Aber soll ich nun lieber die 79 nachlegen oder doch besser mit einer 23 einen der „rauf“-Stapel vermiesen? Ich entscheide mich für ersteres und ernte damit bereits eine erste Empörungswelle von meinen Mitspielern. Offenbar hätten alle noch etwas zwischen 79 und 98 spielen wollen… Gut, das war ja klar. Zum Glück hat’s dafür noch einen zweiten „runter“-Stapel. Sollen’s die anderen besser machen. Aber natürlich fahren wir bald auch auf den anderen Stapeln erste „Abschiffer“ ein.

Gar nicht so einfach. Erschwert wird die ganze Sache dadurch, dass wir zwar miteinander reden, dabei aber nie genaue Zahlenwerte nennen dürfen. „Hier bitte nicht spielen.“, „Das musst du unbedingt so lassen!“, „Nur noch ganz wenig da“, … Wollte ich alle Wünsche meiner Mitspieler berücksichtigen, könnte ich bald überhaupt nirgends mehr spielen. Tja, zwei Karten muss ich aber in jeder Runde auslegen und so wird halt immer mal wieder irgendwo übersprungen, wo jemand anderes gerade noch perfekt passend hätte spielen können. Immerhin gelingt es dann ab und zu, mit dem 10er-Rückwärtstrick ein bisschen Raum zu gewinnen. Und als dann plötzlich jemand gar nicht mehr spielen kann und das Spiel damit zu einem Ende kommt, haben wir doch immerhin 88 der 98 Karten ausspielen können.

Gar nicht so schlecht für das erste Mal, oder? Und hey, das hat richtig Spass gemacht. Also gleich noch einmal!

Hanabi trifft Qwixx, bei diesem einfachen, aber spannenden kooperativen Kartenspiel. Die Spielelemente sind alle bekannt, zusammen ergibt sich aber doch ein frisches Spielerlebnis, das im Bezug auf Schrecklichkeit den von der Aufmachung geweckten Erwartungen zwar nicht ganz gerecht wird, dafür aber durch elegante Regeln und hohen Wiederspielreiz überzeugt. -mf


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