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Versailles 1682

Von Philippe Mouchebeuf, Mario Truant Verlag, 3 bis 6 Personen, Ab 10 Jahren, 2 Stunden, Fr 53.-

Rollenspiel am französischen Hof

Intrigen und Machtkämpfe am Hof des Sonnenkönigs: Bei Versailles 1682 kann nur gewinnen, wer sich die Gunst Louis XIV. sichern kann. Neben Glück braucht es dazu Verhandlungsgeschick und vor allem anderen gutes Benehmen!

Wer im 17. Jahrhundert in Frankreich lebte, hatte wahrlich nichts zu lachen. Der damalige König Louis XIV. betrieb den Absolutismus in seiner reinsten Form und kümmerte sich mitnichten ums Wohlergehen seines oder der benachbarten Völker. Er sorgte ausschliesslich für sich und seinesgleichen: Wer im Lichtschein des Sonnenkönigs leben durfte, hatte Glück, wer im Schatten stand, hatte nichts zu melden.

Es ist also nicht erstaunlich, dass um die raren Plätze an der Sonne ein regelrechtes Gerangel stattfand. Weil ohne die königliche Zustimmung nichts ging, war es von eminenter Bedeutung, in der Gunst des Königs – oder zumindest der Königin – zu stehen.

Es ist auch heute noch so, dass an einem Königshof vor allem eines zählt: Die Etikette. Wer sich nicht zu benehmen weiss, wird es auch zu nichts bringen. Diese Binsenwahrheit ist die Grundlage des Lebens am Hof, auch im Versailles des Jahres 1682, dem Schauplatz unseres Spiels.

Eigentlich ein Rollenspiel

Versailles 1682 ist eigentlich ein Rollenspiel. Alle Spielerinnen und Spieler sind Höflinge des Sonnenkönigs und versuchen sich dessen Gunst zu sichern. Zuerst legen sie sich einen Namen zu, der selbstverständlich ein Adelsprädikat enthalten muss und mit Vorteil möglichst kompliziert zu sein hat. Beispiele: Emilie Daphne du Buffet de la Gare, A. (Apoint) de Prêt-à-porter oder Richard Simon de la chatte qui pêche usw. Der Vorteil eines komplizierten Namens ist offensichtlich: Er erschwert es den Mitspielenden, die Etikette einzuhalten.

Denn Regel Nr. 1 bei Versailles 1682 besagt: Wer Mitspielende nicht korrekt anspricht, wird vom Haushofmeister umgehend mit einer Busse von 1000 Livre belegt. Da es bei Versailles 1682, wie bei so vielen Spielen, letztlich ums Geld geht, kann also ohne konformes Benehmen kaum gewonnen werden. Gewinnen tut übrigens derjenige Höfling, welcher als erster ein Vermögen von 50 000 Livres anhäufen konnte.

Eigentlich ein Brettspiel

Versailles 1682 ist eigentlich ein Brettspiel. Auf einem Spielplan sind die Gemächer des Königs und der Königin zu sehen – mitsamt deren Vorzimmern. Diese sind durchnummeriert: Das jeweils am nächsten beim Königs- oder Königinnengemach gelegene Vorzimmer trägt die Nummer 9, das am weitesten entfernte eine minus 2. Alle Mitspielerinnen und Mitspieler stellen je eine Figur in ein Vorzimmer des Königs und der Königin; in welches, wird durch den Würfel bestimmt. Je höher die Zahl des Vorzimmers, desto höher steht die Figur in der Gunst des Königs bzw. dessen Gattin.

Es wurde schon erwähnt: Im Absolutismus geschieht nichts, das von Louis XIV. nicht gebilligt wurde.Allenfalls kann man noch die Fürsprache seiner Frau beanspruchen. Wer immer also etwas unternehmen will, muss den König befragen. Dies tut man, indem man einen Würfel mit zehn Flächen wirft und darauf hofft, eine tiefere Zahl zu würfeln, als jene des Vorzimmers, in dem man gerade steht. Gelingt der Wurf, kann man seine Aktion durchführen, gelingt er nicht, sinkt man in der Gunst und muss mit einem anderen Zimmer Vorlieb nehmen.

Eigentlich ein Kartenspiel

Also eigentlich ist Versailles 1682 ja ein Kartenspiel. Über 100 Karten geben den Spielerinnen und Spielern die Möglichkeit, Aktionen durchzuführen. Karten können gegen sich selber oder andere Mitspielende ausgespielt werden und haben beispielsweise zur Folge, dass man in der königlichen Gunst sinkt oder steigt. Mittels Karten kann man aber auch Adelstitel verleihen oder Ämter vergeben. Es versteht sich dabei von selber, dass ein Marquis dann auch mit diesem Titel angesprochen wird. Ausserdem decken die Karten Intrigen auf, schicken Personen ins Exil oder in die Bastille oder bringen diese gar um. Möglich sind zudem Heiraten zwischen zwei Höflingen verschiedenen Geschlechts. Wer am Zug ist, darf bis zu zwei solcher Karten ausspielen und dann ein allfälliges Einkommen aus Ämtern oder Pensionen einstreichen.

Einer Aktionsrunde voraus geht immer eine auf fünf Minuten limitierte Verhandlungsrunde. In dieser können die Spielerinnen und Spieler Abmachungen treffen. So können sie eine Hochzeit ankündigen oder sich gegenseitig helfen, die Gunst zu steigern. Bösartige Gemüter könnten in dieser Phase des Spiels durchaus auch auf den Gedanken kommen, andere Höflinge zu erpressen, indem sie ihnen bestimmte Aktionen androhen.

All dies und noch viel mahr kann am Hof des Sonnenkönigs passieren – ob es Spass macht oder nicht, hängt letztlich nur von der Zusammensetzung der Spielrunde ab. Wer sich in seine Rolle hineingibt und mit Freude die Etikette aufrechterhält, wird garantiert seinen Spass am Spiel haben, auch wenn vieles gar zufällig geschieht und man mitunter kaum Einfluss aufs Spielgeschehen hat.

Text: Vinzenz Berger


kaufen Versailles 1682 von Philippe Mouchebeuf, Mario Truant (Tilsit), für 3-6 Spieler, ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 120 Min - SFr 49.00
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