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Keltis

Kaum ein Spieleautor hat einen derart grossen Output wie Reiner Knizia. Gemäss Angaben der eigenen Homepage hat er bisher über 400 Spiele veröffentlicht, 82 allein im Jahr 2007. Wer alle 5 Tage ein Spiel fertigstellt, hat kaum Zeit, für jedes Produkt einen neuen Spielmechanismus zu erfinden. Da wird Altbewährtes aus der Schublade geholt, leicht ergänzt und in einer neuen Aufmachung verpackt. Das Spiel verkommt zur Massenware.
Schlecht sind seine Spiele indes nicht. Herr Knizia - Träger eines Doktortitels in Mathematik - hat durchaus das Kalkül für einen funktionierenden Spielmechanismus. Und die Illustratoren (welche wohl einen wesentlich grösseren zeitlichen Aufwand betreiben als Herr Knizia selbst) leisten meist auch ganze Arbeit, um die Spiele in ein Gewand zu packen, das vom eigentlich vollkommen trockenen Inhalt ablenkt.

Auch Keltis ist ein Aufwasch einer zwar alten, aber auch sehr erfolgreichen Spielidee. Kaum die Regel angelesen, wird schon klar: Das 1999 ebenfalls bei Kosmos erschienene Lost Cities gibt's nun auch für vier Spieler. Wie bei Lost Cities gibt es Karten in fünf Farben, welche jeder vor sich ausspielen kann, um an bis zu fünf Strecken vorwärtszuziehen. (Bei Lost Cities waren's Expeditionen, nun sind's keltische Steinpfade, aber es könnten ebenso gut auch Waren auf Förderbändern, Pinguine auf Eisschollen oder Autos im Stau sein. Das Thema ist vollkommen auswechselbar.) Einmal eine Strecke begonnen, ist diese erst einmal nur Minuspunkte wert. Erst wenn man wiederholt Karten für einen Pfad legt, wird er lohnend. Eine unglaubliche Neuerung gab's beim Mechanismus zum Karten ausspielen. Wo man bei Lost Cities zuerst die tiefen Karten legen musste und dann nur mit immer höherwertigen ergänzen durfte, kann man bei Keltis nun auch wahlweise mit einer hohen beginnen und dann immer tiefere anlegen. Wo Undenufe ist, darf Obenabe natürlich nicht fehlen! Danach ergänzt man seine Hand auf acht Karten.
Was nun aber wirklich neu ist, sind die Plättchen, die zu Beginn des Spiels zufällig auf einige Felder des steinigen Pfades verteilt werden. Durch ebensolche kann man entweder einen eigenen Stein um ein zusätzliches Feld vorwärtsziehen, einen Wunschstein ergattern oder sich ganz einfach ein paar zusätzliche Punkte sichern. Für die Wunschsteine wünschten wir uns einen ganz tollen und spieltechnisch überzeugenden Verwendungszweck. Wie wär's, wenn man sich eine Pfadkarte wünschen könnte? Doch nein, nichts da! Es sind doch nur getarnte Punktesteine. Wer zu Ende des Spiels keine hat, kriegt Minuspunkte, je mehr man hat, desto mehr Bonus gibt's.
Wer übrigens beim Spielmaterial die Verdopplerkarten vermisst, kann aufhören zu suchen. Die gibt's nicht. Ha! ... Doch wer ein echter Spielverwerter ist, der lässt auch dieses Element nicht einfach so fallen. Als Ersatz hat nämlich jeder Spieler schon zu Beginn einfach einen Spielstein, der die Punkte eines Pfades verdoppelt.

Keltis bietet also tatsächlich nicht wesentlich mehr als 2 zusammengemischte Kopien von Lost Cities. Doch ich muss zugeben, Lost Cities hat mir als kurzweiliges Zweierspiel trotz des grossen Glücksfaktors eigentlich immer ganz gut gefallen. Und auch Keltis kann ich einen gewissen Unterhaltungsfaktor nicht aberkennen. Taktisch ist es sicher nicht, doch stört die Abhängigkeit der lieben Fortuna dank der kurzen Spieldauer erstaunlich wenig. Wenn auch nicht der grosse Wurf, so wird Keltis doch so mancher Spielrunde Freude bereiten. Ich persönlich hätte mir halt mal wieder etwas Neues von Herrn Knizia gewünscht. Aber vielleicht klappt's ja, wenn ich genügend Wunschsteine sammle... -cb


vergriffen Keltis von Reiner Knizia (Kosmos), für 2-4 Spieler, ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 30 Min - SFr 39.90
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