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Europa

In unserer Europa-Testrunde habe ich gewonnen. Das spricht sowohl für, als auch gegen das Spiel. Ich würde mich selbst in Sachen Geographie als mehr oder weniger ahnungslos bezeichnen (Bescheidenheit war schon immer meine Stärke). Dass ich als Geographiebanause also ein Spiel gewinne, bei dem es darum geht, verschiedene Orte korrekt zu lokalisieren, scheint mir etwas merkwürdig und lässt mich daher etwas an der Qualität des Spiels zweifeln. Sollte nicht der Geographiecrack siegen? Dass aber wiederum auch ein Laie Chancen hat, beim Ausgang des Spiels mitzumischen, muss ich doch eigentlich positiv bewerten. In unserer Europa-Testrunde hat Lukas gewonnen. Das spricht sowohl für, als auch gegen das Spiel. Lukas würde sich selbst in Sachen Geographie als mehr oder noch mehr sachkundig bezeichnen (Eine gesunde Selbsteinschätzung war schon immer seine Stärke). Dass Lukas als Geografiecrack also ein Spiel gewinnt, bei dem es darum geht, verschiedene Orte korrekt zu lokalisieren, ist ja eigentlich ganz klar und lässt mich daher etwas an der Qualität des Spiels zweifeln. Sollte nicht auch ein Laie einigermassen mitmischen können? Dass aber der Kenner auch tatsächlich sein Wissen umsetzen und dadurch gewinnen kann, muss ich doch eigentlich positiv bewerten.

Tatsache ist, dass bei Europa sowohl Sonntagsgeographen wie auch Vollprofis problemlos mitspielen können.
Wie bereits erwähnt, ist das Ziel von Europa, geographische Punkte zu lokalisieren. Pro Runde kriegt jeder Spieler eine Karte mit einer Stadt, einem geschichtlichen Denkmal, einer Landschaft oder einem Gewässer. Nun müssen diese Plätze auf dem Spielbrett geortet werden. Dieses zeigt eine Europakarte, welche durch ein Raster in verschiedene Sektoren und Untersektoren geteilt ist. Die erste Unterteilung unterscheidet nur West und Ost, dann wird das Raster in 3 weiteren Schritten immer kleiner. Je nachdem, wie sicher ich mir bin, kann ich also meinen Ort unterschiedlich genau zu lokalisieren versuchen. Wenn ich Stockholm zum Beispiel korrekt ins Feld Ost / Nord platziere, gibt mir das 2 Punkte. Wenn ich darüber hinaus noch auf den Sektor 10 tippe, dann liege ich etwas zu weit nördlich und gehe ganz leer aus anstatt 3 Punkte zu kassieren. Es ist also nicht nötig, den exakten Standpunkt zu kennen, oftmals reicht es, eine ungefähre Ahnung zu haben oder gut zu raten.

Die Verteilung der Ortskarten ist ein wichtiger Faktor bei Europa. Pro Spieler wird eine Aufgabenkarte aufgedeckt. Dann wird reihum eine Karte gewählt, beginnend mit dem Spieler mit den wenigsten Siegpunkten. Bei der Auswahl Aletschgletscher, Liverpool, Optymistytschna und Kattegat zum Beispiel bin ich durchaus froh, wenn ich früh wählen darf.
Europa zielt also darauf ab, dass die Spieler punktemässig einigermassen beieinander bleiben. Die besseren Spieler kriegen die schweren Aufgaben, die schlechteren die einfachen. Dadurch taugt Europa primär als Familien- oder Gesellschaftsspiel. Wer ein knallhartes Quiz möchte, bei dem er sein ganzes Können unter Beweis stellen und seine Mitspieler brutal deklassieren möchte, der liegt mit Europa falsch. Europaist primär als Gesellschaftsspiel konzipiert und funktioniert als solches tadellos.

Und so lässt sich auch der Ausgang unserer Testrunde erklären: Lukas und ich haben tatsächlich beide das Spiel gewonnen, punktegleich vor den drei anderen Mitstreitern. Während Lukas sich mehrheitlich mit den mittelschweren bis schweren Aufgaben rumgeplagen musste, habe ich mich wunderbar mit Städten wie Bologna oder Strasbourg durchgemogelt (und zum richtigen Zeitpunkt den Vänersee zugeschoben gekriegt, an dem ich glücklicherweise einmal meine Ferien verbracht hatte). Ich bilde mir jetzt auf meinen (Mit-)Sieg nichts ein, Spass gemacht hat's trotzdem. -cb


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