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Pandemie

SARS 2003, die Vogelgrippe 2005 und die Schweinegrippe 2009. Immer wieder geistern kleine Krankheitserreger durch unsere Medienlandschaft. Doch was in der Realität jeweils relativ glimpflich ausgeht, wird im Spiel Pandemie auf die Spitze getrieben: Gleich vier Infektionskrankheiten machen den Erdball unsicher. Das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel. Heroische Einzelaktionen sind hier fehl am Platz, nun ist Teamarbeit gefragt! Pandemie ist daher als kooperatives Spiel konzipiert. Alle Spieler gewinnen oder verlieren gemeinsam.
Die Spieler schlüpfen in die Rollen von Forschern des Seuchenbekämpfungszentrums in Atlanta und müssen die vier Pandemien eindämmen. Gelingt es ihnen, gegen jede Krankheit ein Gegenmittel zu finden, so haben sie gewonnen.

Wenn ich am Zug bin, muss ich mich entscheiden, wie ich meine vier Aktionspunkte am besten einsetzen will. Ich kann z.B. meine Figur von einer Stadt zur nächsten ziehen: Das bringt mich zwar nicht sehr weit, ist aber ganz gemütlich. Etwas schneller geht’s mit einer Ortskarte. Durch Abgabe derselben kann ich direkt zur entsprechenden Stadt fliegen. Das klingt doch gut. Gesagt, getan: Karte weg, ich fliege nach Paris. Nun möchte ich dort ein Forschungslabor errichten, damit meine Mitspieler schnell und bequem nach Europa nachfliegen können. Doch halt! Dazu bräuchte ich ja ebenfalls die Ortskarte von Paris, die ich gerade abgegeben habe. Tja, das war dumm geplant. Dann tue ich zumindest der französischen Bevölkerung etwas Gutes und entferne für meine drei verbleibenden Aktionen jeweils einen Seuchenmarker von der Stadt.

Am Ende meines Zuges muss ich zuerst zwei Ortskarten ziehen und dann Infektionskarten aufdecken – zu Beginn des Spiels zwei, später bis zu vier. Beim Ziehen der Ortskarten ahne ich Schlimmes. Die erste Karte zeigt Jakarta, so weit so gut. Doch die zweite ist das Schreckgespenst aller Wissenschaftler: eine der eingemischten Epidemie-Karten! Beim Ziehen einer solchen wird eine bisher unbehelligte Stadt neu infiziert, zum Beispiel London. In die Themsestadt werden drei Seuchenmarker gelegt. Danach wird der Ablagestapel der Infektionskarten gemischt und oben auf den entsprechenden Stapel gelegt, London inklusive.
Nun wird mit Spannung das Aufdecken der beiden Infektionskarten erwartet. Diese zeigen weitere Infektionen in den Städten an. Auf jede der aufgedeckten Städte wird ein weiterer Seuchenmarker gelegt. Und hier wird’s kritisch. Sollte auf eine Stadt nämlich der vierte Marker derselben Farbe kommen, dann bricht die Krankheit aus: Auf jede benachbarte Stadt wird ein entsprechender Seuchenmarker gelegt. Und wehe, wenn dort auch schon drei Marker lagen! Kettenreaktionen können verheerend sein. Die Epidemiekarten verstärken natürlich die Misere: Städte, die schon aufgedeckt waren, kommen gleich wieder! Dadurch konzentriert sich jede Pandemie-Partie auf einige Hot-Spots bei denen es dafür durchwegs brenzlig bleibt.
In unserer Beispiel-Partie habe ich denn auch mit wissenschaftlicher Präzision die London-Karte zuoberst hingemischt. Die Stadt hat schon drei Seuchenmarker, also bricht die Krankheit aus: Die mit London verlinkten Städte New York, Madrid, Essen und Paris erhalten je einen Marker. Hier zahlt sich nun meine heldenhafte Seuchenbekämpfung aus: Durch meine vorangehende Räumungsaktion habe ich in Paris einen Folge-Ausbruch verhindert. Die französische Bevölkerung atmet auf, Monsieur Sarkozy schickt mir bestimmt eine Dankes-Karte.

Pandemie hält die Spieler durchwegs auf Trab. Es gilt, die Aktionen gut zu planen und mit den Ressourcen haushälterisch umzugehen. Die praktischen Ortskarten werden nämlich auch noch für das Erfinden der Gegenmittel benötigt. Fünf Karten gleicher Farbe braucht es dazu, was bei einem Handkartenlimit von sieben gar nicht so einfach ist. Die Übergabe von Karten ist nur bei einem Tête-à-tête der betroffenen Spieler in der entsprechenden Stadt möglich. Durch zuviele umständliche Kartenübergaben droht aber, dass sich die andere Ressource erschöpft – die Zeit.
Gruppen, die sich zu sehr darauf konzentrieren, die Städte fortlaufend zu entseuchen, verlieren das Spiel, weil plötzlich der Ortskartenstapel aufgebraucht ist. Diejenigen, die allzu energisch das Herstellen der Gegenmittel forcieren, riskieren Krankheitsaubrüche und damit den Weltuntergang. Und diejenigen, die sich auf dem sicheren Mittelweg wähnen, werden teilweise von einer plötzlichen Niederlage überrascht, wenn sich eine Krankheit zu stark ausbreitet und die Seuchenmarker ausgehen.

Pandemie ist für mich eines der Spiele-Highlights dieses Jahrgangs. Es ist sehr gut ausbalanciert und lässt sich auch zu zweit problemlos spielen. Die Partien sind stets spannend und auf der höchsten Schwierigkeitsstufe kommen auch Vollprofis unter den Seuchenbekämpfern ins Rotieren.
Nun denn, könnt Ihr die Menschheit retten? -cb


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