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Carcassonne

Spiel des Jahres 2001

Legespiel: Mit quadratischen Plättchen lassen die Spielerinnen und Spieler eine Landschaft mit Städten, Klöstern und Strassen entstehen.

Verborgener Reiz

An der Spielemesse in Essen im letzten Oktober machte der Name eines neuen Spieles schon am ersten Tag die Runde und blieb seither in aller Leute Mund: Carcassonne, ein kleines, aber feines Legespiel aus dem Hans im Glück Verlag. Das Spiel fand bei den Spielerinnen und Spielern enormen Anklang und noch vor Weihnachten war die erste Auflage restlos ausverkauft. Erst seit kurzem ist es jetzt wieder lieferbar – und die Nachfrage ist unvermindert gross.

Es ist sehr schwer zu sagen, was genau den Reiz dieses Spieles ausmacht. Es ist strategisch oder taktisch nicht besonders anspruchsvoll, aber auch kein reines Glücksspiel. Es ist von Doris Matthäus sehr sehr schön gestaltet und hat mit weniger als dreissig Franken einen ziemlich günstigen Verkaufspreis. Und es hat einen einleuchtenden Mechanismus, den alle schnell mal begreifen. Doch allein mit der Zuordnung dieser Attribbute ist es nicht getan, denn sie treffen auf manche andere Spiele ebenso zu, die niemals so erfolgreich sind wie Carcassonne. Es muss also an der optimalen Mischung verschiedener Kriterien liegen. Und natürlich an der Stimmung, die am Spieltisch herrscht.

Zunächst einmal ist Carcassonne ein typisches Legespiel: Die Spielenden ziehen zufällig ein quadratischen Kartonplättchen von einem Stapel und legen es an die bereits offen liegenden an. Auf den Plättchen sind Wiesen, Stadtteile, Strassenstücke und Klöster abgebildet – allein oder in verschiedenen Kombinationen. Auf das soeben gelegte Plättchen darf man sogleich eine seiner sieben Spielfiguren stellen. Dabei muss man deutlich machen, wohin man diese genau stellt: Auf den Stadt-, den Strassen-, den Kloster- oder den Wiesenteil des Plättchens.

Sobald eine Stadt, eine Strasse oder ein Klosterareal fertiggebaut wurden, kann der betreffende Spieler seine Figur vom Tisch nehmen und sich – abhängig von der Grösse - Punkte gutschreiben lassen. Vorläufig noch keine Punkte gibt es für die Bauern, welche auf den Wiesen stehen. Sie versorgen die Städte und werden erst abgerechnet, wenn alle Plättchen gelegt wurden. Jede Stadt, mit der ihre Wiese verbunden ist, gibt vier Punkte. Und Punkte gibt es nur für diejenige Spielerin, die am meisten Bauern bei einer Stadt hat.

Ein regeltechnischer Kniff sorgt dafür, dass dass nun nicht alle einfach ihre Bauern in die Felder stellen können, wann und wo es ihnen gefällt: In ein bereits besettztes Feld darf keine weitere Figur gestellt werden. Hingegen können zwei besetzte Felder zusammengeführt werden, so dass nun zwei Figuren im selben Feld stehen. Das gilt im übrigen Auch bei den Städten und bei den Strassen. Das ist dann eigentlich schon alles! Gewinnen tut natürlich, wer am Schluss am meisten Punkte gesammelt hat.

An und für sich ist Carcassonne nicht sehr kommunikativ. Die Spielerinnen und Spieler schauen primär für sich und besprechen sich nur wenig mit den anderen. Bei dem Spiel herrscht jedoch eine entspannte und zufriedene Atmosphäre, auch wenn man sich immer wieder über ungünstig gezogene Kärtchen ärgern muss. Noch immer nicht ganz klar ist, was genau an Carcassonne reizt. Sicher ist nur: Es reizt!

Text: Vinzenz Berger


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