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Carolus Magnus

Der Kaiser geht im Kreis herum

Mit Carolus Magnus hat sich der noch junge Verlag Winning Moves im deutschen Sprachraum rasch etablieren können: In Spielerkreisen ist das Spiel auf grosse Resonanz gestossen und ist nun gar im Rennen der letzten drei um den Titel Spiel des Jahres.

Winning Moves ist ein amerikanischer Spieleverlag, der vor anderthalb Jahren einen deutschen Ableger gründete, und zunächst vor allem durch Neuauflagen bekannter Spiele auffiel: „Lange Leitung“ (früher: „Leg das Rohr“), „Pit“ oder „1000 Meilen“. Ausserdem gab Winning Moves in Lizenz verschiedene deutsche Städteausgaben des Klassikers Monopoly heraus. Auch die Neuerscheinungen dieses Jahres passen in dieses Konzept: Ein Monopoly-Kartenspiel und ein Wiener Monopoly standen unter anderem auf dem Programm. Gerüchteweise war zu vernehmen, es sei auch eine Zürcher Monopoly-Ausgabe geplant.

Daneben hat der Verlag aber auch mit neuen Autorenspielen aufgewartet: 1999 war es das Spiel „Verrat“, heuer ist es „Carolus Magnus“, mit dem es Winning Moves auf Anhieb auf die Bestenliste Spiel des Jahres geschafft hat, und jetzt sogar auf die Liste der drei Nominierungen zum Spiel des Jahres (siehe Kasten). Sollte Carolus Magnus zu guter Letzt sogar zum Spiel des Jahres gewählt werden, hätte Winning Moves ein regelrechtes Kunststück geschafft. Der Verlag hätte sich nämlich in kürzester Zeit im deutschsprachigen Spielemarkt etablieren können, und zwar auf der ganzen Linie: Einerseits mit Altbewährtem (Monopoly und Co.), andererseits mit Neuem, das auch die anspruchsvollen Spielerinnen und Spieler erfreut.

Zerstrittene Erben

Carolus Magnus (deutsch: Karl der Grosse) ist nicht unbedingt ein abendfüllendes Spiel, sondern eine mehr oder weniger kurze Angelegenheit mit einem mitunter äusserst raschen Ende. Man darf sich dabei nicht von Titel, Aufmachung und Hintergrundstory des Spiels irritieren lassen – im Grunde haben wir es hier mit einem absolut abstrakten Spiel zu tun. Es geht – gemäss Story – darum, als Erbe von Karl, die Provinzen des Reichs zu sichern, wofür man sich die Unterstützung der dort lebenden Adelsfamilien sichern muss. Die Erben sind untereinander zerstritten, weshalb gewinnt, wer am meisten Burgen in die einzelnen Provinzen stellen kann.

Die 15 Provinzen des Kaiserreichs sind in einem Kreis angeordnet und auf jeder steht ein Ritter als Vertreter einer der fünf Adelsfamilien. Wer am Zug ist, darf immer drei Ritter entweder auf Provinzen bringen oder aber sie in seiner Burg aufnehmen. Wer an seiner Burg am meisten Ritter einer Farbe beherbergt, beherrscht alle Ritter dieser Farbe auf dem Spielfeld. Ausserdem darf die aktive Spielerin den Kaiser Karl im Kreis herum von Provinz zu Provinz bewegen. Wo der Kaiser haltmacht, kommt es zu einer Wertung: Wer kontrolliert die meisten Ritter in dieser Provinz? Diejenige Spielerin darf nun dort eine Burg errichten und – falls eine dort steht – eine zuvor errichtete Burg wieder abreissen. Es gewinnt, wer zuerst zehn Burgen bauen konnte.

Das System bei Carolus Magnus ist offensichtlich einfach; man kann problemlos eine Runde „aus der Schachtel heraus“ spielen. Natürlich gibt es da noch einige Finessen, die hier jedoch nicht im Detail erklärt werden sollen. Höchstens noch soviel: Sind benachbarte Provinzen mit einer Burg derselben Farbe bebaut, werden sie zu einer grösseren Region zusammengeführt, welche entsprechend schwieriger zurückzuerobern sind. Schafft es aber einmal jemand, die Mehrheitsverhältnisse in einer grossen Region zu kippen, kann es zum oben erwähnten schnellen Ende kommen. Es ist darum bei diesem Spiel von grösster Wichtigkeit, die Möglichkeiten der Gegnerin stets im Auge zu halten und in seine Überlegungen einzubeziehen. Und ausserdem hat es noch einen Würfel, der bei der Entscheidung über Sieg und Niederlage ein gewichtiges Wörtchen mitredet.

Zu Viert im Team

Eine Besonderheit sei auch noch erwähnt: Carolus Magnus eignet sich für zwei bis vier Spielerinnen und Spieler, wobei man beim Spiel zu Viert in zwei Teams spielt. Es ist dabei erlaubt, sich in seinen Überlegungen abzusprechen, was dem Spiel einen ganz anderen Charakter verleiht, als die eher schweigsame und trockene Zweiervariante. Die Variante für drei habe ich selber noch nicht gespielt, doch ist anzunehmen, dass diese am längsten dauert oder sich gar in die Länge ziehen kann. Denn die in Führung liegende Spielerin muss stets damit rechnen, dass die beiden anderen ihre Kräfte gemeinsam gegen sie einsetzen werden.

Text: Vinzenz Berger

Berner Woche vom 22. Juni


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